Die ersten Anzeichen menschlicher Besiedlung im
heutigen Landkreis Manacors gehen bis in die prätalaiotische Zeit
(2000-1400 v. Chr.) zurück, auch wenn die Ankunft des Menschen
auf Mallorca im fünften Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung liegt.
Aus dieser Zeit sind die künstlichen Grabhöhlen (cova de s’Homonet
auf Son Ribot, Mitjà de les Beies, etc.) und die
Navetes, alleinstehend oder in Gruppen, die als Wohngebäude
dienten (sa Marineta, s’Hospitalet Vell, usw.).
Um 1400 v. Chr. fand eine strukturelle Änderung in der Vorgeschichte
Mallorcas statt, einerseits auf Grund der internen Entwicklung
der prätalaiotischen Gesellschaft, andererseits durch die Ankunft
neuer Volksstämme aus dem östlichen Mittelmeer bedingt. Es enstand
eine Kultur, die durch ihre Megalithbauten, die heute nur noch
Keramikscherben zeugen. Es sind Ortsnamen erhalten, die auf arabischen
oder Berber Ursprung hinweisen.
Der Ursprung der Stadt Manacor liegt wahrscheinlich
vor der islamischen Herrschaft, wie aus den archäologischen Funden
hervorgeht, die in der Umgebung der Pfarrkirche gemacht wurden.
Schon im Jahr 1300 erteilte Jaume II. Manacor
die Stadtrechte. Die Bevölkerung war damals beträchtlich. Die
Existenz einer Pfarrkirche wurde schon im Jahre 1236 urkundlich
belegt. Von den Anfängen der Stadt sind ein ehemaliger Bestandteil
des Königspalastes, der Torre del Palau, und einige befestigte
Herrenhäuser (Torre de ses Puntes und Torre dels Enagistes)
erhalten. Im Mittelalter spielte Manacor eine wichtige Rolle bei
den sozialen Kämpfen, in denen der aus Manacor stammende Simó
Tort der Vorkämpfer war.
Die städtische und soziale Entwicklung wird besonders
durch die Gründung des Klosters Sant Vicenç Ferrer und
die Entstehung des Stadtviertel Fartàritx gekennzeichnet.
Hier stehen die meisten Windmühlen, die das Stadtbild prägten.
1576 gründete der Dominikanerorden das erwähnte Kloster und der
Bau der Barrockkirche begann. Anfang des folgenden Jahrhunderts
wurde der Kreuzgang errichtet. Das Eigentum der Mönche fiel 1835
in die Hände des Staates. Das Kloster ist seitdem Sitz der Gemeindeverwaltung
und des Gerichtshofs.
Bis zum 19. Jahrhundert basierte die Wirtschaft
Manacors auf Landwirtschaft (Getreide- und Weinanbau) und Viehzucht
(Schafe), auch wenn der Textil- und Lebensmittelsektor sowie das
Töpfereigewerbe eine wichtige Rolle spielten. Im 19. Jahrhundert
begannen die Veränderungen, die aus Manacor das machten, was es
heute ist. Die Industrien zur Verarbeitung landwirtschaftlicher
Produkte nahmen zu: im Stadtbild erschienen die Windmühlen und
eine Branntweinfabrik. Seit der zweiten Hälfte des Jahrhunderts
bilden die Möbelherstellung und die später gebauten Fabriken eine
der wirtschaftlichen Grundlagen Manacors. Aber auch das Töpfereigewerbe
und die Herstellung von Likören und Weinen sind weiterhin bedeutend.
1879 wurde die Eisenbahnstrecke zwischen Inca und
Manacor eingeweiht und 1902 die erste Perlenfabrik gegründet.
So wurde Manacor zum Handels- und Industriezentrum des Osten der
Insel. Seit 1912 ist Manacor Stadt.
Diese wirtschaftliche Entwicklung veränderte nicht
nur die Gewohnheiten der Gesellschaft, sondern wirkte sich auch
auf das Stadtbild aus, besonders seit Beginn des Tourismus in
den 60er Jahren. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die neue
Pfarrkirche Nostra Senyora dels Dolors gebaut, die an der
gleichen Stelle wie die vorherigen Kirchen steht. Die älteste
von ihnen wurde schon 1232 unkundlich belegt und war wahrscheinlich
über einer arabischen Moschee errichtet worden (Fund einer Grabinschrift,
die heute im Museu Diocesà in Palma aufbewahrt wird). Das
emblematischste Element ist der Glockenturm. Zur gleichen Zeit
wurden einige der schönsten Herrenhäuser in den Straßen Nou,
Major, Pius XII, Bosch, usw. gebaut, die
historischen Stadtviertel (Fartàritx und es Barracar)
erweitert und verstärkt und in der Umgebung des Bahnhofs und der
Promenade na Camel·la entstanden neue Viertel. Heute findet
das Wachstum der Stadt hauptsächlich in den neueren Stadtteilen
der Schulzentren und der Promenaden Port, Fartàritx
und Ferrocarril statt.